lobas81 - Polo 2 Steilheck - 1,3 8V ROHC-Umbau

  • Greets,


    so jetzt möchte ich mich und meinen Polo auch mal vorstellen.
    Also erstmal zu mir:
    Ich heiße Robert, bin 31jähriger Maschinenbauingenieur und komme aus Westsachsen. Mein erstes Auto war ein Polo 2F 'Style' mit sagenhafter 45PS AAU Maschine, mit dem ich auch meine erste Schraubererfahrung sammelte:
    http://osgm.jimdo.com/eigene-autos/polo-86c-2f-die-anfänge/


    Danach bin ich auf einen Golf 2 umgestiegen, mit 1,6l PN Motor und dem 'guten' 2EE Vergaser. Es sollte eigentlich ein GTI werden, jedoch hat mir der hohe Versicherungsbeitrag damals als Student einen Strich durch die Rechnung gemacht:
    http://osgm.jimdo.com/eigene-autos/golf-2-19e-für-fortgeschrittene/


    Ein paar Jahre später wollte ich mir einen damaligen Traum erfüllen: einen G60-Motor. Dieser sollte erst in den Golf einzug halten, jedoch entschied ich mich für eine bessere Basis - einen 85er Jetta in viperngrünem Lackkleid:
    http://osgm.jimdo.com/eigene-autos/jetta-2-19e-g60-umbau/


    Durch Familienzuwachs musste dann ein größerer Schlitten her - der gute A6 C4 Avant:
    http://osgm.jimdo.com/eigene-a…c4-avant-familienkutsche/



    Naja jedenfalls als Mitglied des hiesigen Motorsportvereins und da ich mit am Rennpolo eines Freundes mitschraubte
    ( http://osgm.jimdo.com/rennsport/polo-86c-1-3-gruppe-h/ )
    da kam bei mir mal die Frage auf, warum haben die Polo-Motoren die Annsaugbrücke hinten und die Abgasseite vorn? Wäre das nicht umgekehrt viel optimaler? Ich machte mir n Kopp und als Ingenieur hat es mich sehr gereizt das Prinzip des gedrehten Zylinderkopfes auch einmal umzusetzen.
    Hier die Idee und der Versuchsaufbau, wo wir das mal getestet haben:
    http://osgm.jimdo.com/rennspor…-1-3-8v-motor-rohc-umbau/
    Der Motor ist also tatsächlich gelaufen, also vorne ansaugen, Abgase nach hinten raus. Hier der Beweis:
    http://www.youtube.com/watch?v=qprRJ0tcevI


    Der Trick ist, dass die Nockenwelle zur Kurbelwelle gegenläufig drehen muss, d.h. Motor dreht vorwärts, Nockenwelle rückwärts - Deshalb auch 'R'OHC - 'reversed' overhead camshaft - hab ich mir ausgedacht :D


    Lange dümpelte das Projekt so vor sich hin und es passierte nach dem Versuch nicht viel.



    Aber jetzt kommt mein Polo ins Spiel. Zu meinem 30. Geburtstag bekam ich einen 89er Polo FOX Steilheck mit AAK-Motor geschenkt. Der ist mittlerweile abgemeldet. An dem wird der ROHC-Umbau jetzt vollzogen.
    Weitere Infos folgen...

  • Im Grunde mußt du ja nur die Nockenwelle ändern Steuerzeiten.
    Damit der einlass zum auslass wird und umgekehrt.
    Ventilgröße lasse ich mal außer acht bekäme man aber auch in den Griff.

  • Nun, noch bevor ich den Polo hatte, habe ich schon ein bisschen am Motor weiter gebaut. Ich habe einen Hydromotor mit 75er Bohrung genommen und diesen neu hohnen lassen. Zusätzlich wurde der Block geplant. Darin wurde eine erleichterte und gewuchtete 1300er Kurbelwelle verbaut. Pleuel wurden ausgewogen und angeglichen. Kolben wurden entsprechend abgefräst und geänderte Ventiltaschen nachgearbeitet. Die Kolben haben nun keinen Überstand mehr. Der Plan dabei ist die dünnen Metallkopfdichtung vom 6N zu verbauen und damit die Verdichtung zu erhöhen. Errechnete Verdichtung liegt ca. bei 12:1.
    Die Ölwanne wurde mit einem Schottblech ausgestattet.

  • Als ich nun den Polo mein eigen nennen durfte, wollte ich den vorbereiteten Block in den Polo bauen, um diesen ertmal einzufahren. Dazu wurde auf den Block erstmal ein normaler 1300er Hydrokopf gebaut und mit der Digijet-Einspritzanlage vom NZ betrieben. Zum einfahren habe ich erstmal die normale organische Kopfdichtung verbaut. Dabei liegt die errechnete Verdichtung bei etwa 10:1. Die Ventilsteuerung übernimmt eine 280° Dbilas Welle.
    Der alte AAK durfte erstmal ruhen, dafür werkelte jetzt erstmal das neue Aggregat zum Einfahren des Blocks.
    Das spartanische KI der FOX-Ausstattung habe ich durch ein Golf 2 KI mit Drehzahlmesser ersetzt. Das ist ein KI aus einem Golf mit neuer Zentralelektrik, hat somit den gleichen Stecker wie der 2F. Ich hab dafür einfach den 2F-Stecker eingelötet. Das Golf 2 KI passt mit wenig Nacharbeit ganz gut beim 86c und ich finde das steht dem Armaturenbrett auch ganz gut.
    Am Anfang hatte ich das originale AKV 4-Gang Getriebe verbaut, das habe ich dann später durch ein selbst geändertes 4-Gang Getriebe getauscht. Hier mal paar Infos zum Getriebeumbau:
    http://osgm.jimdo.com/technikecke/getriebe-übersetzung-ändern/

  • Und in der Zwischenzeit habe ich mir n Kopp um den Kopf gemacht.
    Fakt war für mich, dass es ein Hydro-Kopf sein musste, weil es bei dem eigentlich egal ist, ob die Nockenwelle vorwärts oder rückwärts dreht. Bei einem Schleppi-Kopf hätte ich die Befürchtung, dass es bei rückwärts drehender Nockenwelle irgendwann die Schlepphebel von den Kugelköpfen drückt.
    Jedoch konnte es auch kein Kopf eines 1,3l Motors sein, da hier die Einlassventile 36mm Durchmesser haben. Das Außlassventil, welches nachher aber größer werden sollte als der Einlass, kann dabei nicht weit genug vergrößert werden, der Freiraum zwischen den Ventilen ist beim 1,3l Kopf einfach zu gering. Es musste also ein Kopf sein, welcher grundsätzlich relativ kleine Einlassventile hat. Also bot sich für den Umbau eigentlich nur der Zylinderkopf eines AAU-Motors an, der mit seinen original 32er Einlassventilen eigentlich optimal ist für den Umbau. Es ist genug Freiraum vorhanden um die originalen 29er Auslässe auf ein ordentliches Maß zu vergrößern.
    Also wurde ein brauchbarer herumliegender AAU-Kopf zerlegt und zum Ändern der Ventilsitzringe und Ventile zum Motorenbauer gegeben.
    Der Einlass (der nachher Auslass ist) wurde mit 32mm Durchmesser beibehalten. Am Außlass (der nachher Einlass ist) wurden die Sitzringe entfernt und es wurden größere Sitzringe für 36er Ventilteller verbaut.
    Ganz schön verwirrend das ganze - dachte sich warscheinlich auch der Motorenbauer - und es wäre auch fast schief gelaufen. Die waren schon drauf und dran die Einlassventile zu vergrößern!!! Glücklicherweise haben die nochmal nachgefragt :D
    Jedenfalls hat der Kopf jetzt 36er Einlassventile (ehemals Außlass) und 32er Auslassventile (ehemals Einlass). Die Sitze der neuen Ringe und Ventile wurden gefräst und der Kopf wurde aufgrund der ganzen thermischen Vergewaltigung beim Einsetzen der neuen Ringe nochmal geplant.
    Gerade bin ich bei der Kanalbearbeitung, da muss noch ganz schön was weg. Ich muss auch höllisch aufpassen, dass ich nicht einen Wasserkanal erwische, sonst war alles für die Katz :tongue:

  • Noch ein Wort zum Zylinderkopf und den Ventilen:
    Leider konnte ich das Einlassventil nicht größer als 36mm machen. Zur Kerze und zum anderen Sitzring wäre ja noch etwas Fleisch gewesen. Das Problem liegt jedoch bei der originalen Ventilanordnung im Zylinderkopf - die Ventile stehen nämlich leicht außermittig zur Zylinderbohrung. D.h. das ehemalige Auslassventil (jetzt Einlass) sitzt näher an der Zylinderwand. Das war dann schließlich die Begrenzung für die Ventilgröße. Wie man auf dem Bild vieleicht ganz gut erkennen kann ist das jetzt mit dem 36er Ventil auch schon ganz schön knapp :(


    In der Zwischenzeit begann sich am Polo der 'gute' Endtopf aus dem Zuliefererprogramm aufzulösen. Also hab ich den durch einen originalen Topf vom Corrado mit 2E-Maschine ausgetauscht, der hier sonst eh nur in der Ecke gelegen hätte. Als Abschluss wählte ich ein S-förmiges Endrohr.
    Dann hab ich aus optischen Gründen die Motrohaube hinten an den Scharnieren hochgenommen. Damit wirkt er 'bulliger' und der Anpressdruck beim Fahren erhöht sich :D
    Hab leider keine Bilder davon, werd aber bestimmt noch welche einstellen.


    Außerdem wurde der Golf 2 (der Testgolf, mit dem wir den ersten Versuch mit dem Motor gemacht hatten) in handliche Stücke zerteilt und im Schrottcontainer entsorgt. Ich mach ja so was wirklich nicht gerne und das tat mir auch n bissl leid aber er musste weg und die Karosse war nicht zu retten ;(
    Aus dem Tank haben wir noch gut 15l Sprit rausgeholt - die sind umgehend in den Polo geflossen :tongue:

  • Wir hatten damals immer nen schrottcontainer vor der halle stehen. Wurde freundlicherweise vom ansässigen schrotti zu verfügung gestellt. Wenn der voll war gabs immer bissl kohle fürn verein. Ansonsten hätte erst noch n hänger organisiert werden müssen da der golf nicht mal mehr rollbereit war.
    Der spaß mit feuerschwert und elektrofuchsschwanz zu wüten wars allemal wert :D
    Wahnsinn wo son (guter) fuchsschwanz überall durchmarschiert. ABC säulen wie butter, sogar durch den hinterachskörper.

  • So...
    September letzten Jahres ist der TÜV abgelaufen. Da hab ich mich entschlossen das gute Stück erstmal stillzulegen.
    Mit dem jetzigen Motor 'Ausbaustufe 1' und dem geänderten Getriebe war es schon dazumal ein Heidenspaß damit zu fahren, der ging schon richtig gut vorwärts. Aber wenn aus der Karosse noch irgendwie was werden soll, dann jetzt oder nie. An vielen Stellen beginnt sie zu rosten und wenn ich noch weiter drauf rum geritten wäre, dann wär sie bald ganz schrott. War mir zu schade drum.
    Also haben wir kurzerhand die letzte Ecke hinten links in der Halle von dem ganzen angestauten Zeug freigeräumt, den Polo reingerollt und auf Böcke gestellt. Wir waren eh grad dabei die ganze Halle mal auzumisten.
    Anbei auch noch paar Bilder von der angestellten Motorhaube.

  • Jetzt hab ich erstmal damit begonnen den Motorraum von all den Sachen zu befreien, die nachher nicht mehr gebraucht werden.
    Also flog erstmal folgendes raus:
    - Luftfilterkasten
    - Ansaugbrücke mit Drosselklappe und Ansaugschlauch
    - Motorkabelbaum komplett mit Steuerteil
    - der originale Wasserkühler
    - Abgaskrümmer mit Hosenrohr
    - Abgasanlage ab Kat


    Den Übergangskopf hab ich erstmal draufgelassen, weil ich den dann noch für die Anpassung des Abgaskrümmers hinten und der Ansaugbrücke vorn gebraucht habe.
    Dann hab ich alle Motor- und Getriebelager der Reihe nach ausgebaut und die Stahlhülsen jeweils um 10mm gekürzt. Dadurch änderte sich jedoch die Motorposition. Der Motor neigt sich weiter nach vorne, was für den Umbau aber eher schlecht ist, da ich mit der Saugbrücke vorne ziemlich gerade rauskommen will. Deshalb hab ich die Motorposition wieder 'korrigiert' indem ich jeweils eine auf Maß gefräßte Stahlscheibe beilegte.
    Im gleichen Zug hab ich das Getriebe ausgebaut und erstmal durch eine 'Dummy'-Getriebeglocke ersetzt, weil ich das Getriebe nochmal ändern will. Die 'Dummy'-Glocke ist halt nur eine leere Glocke, die brauchte ich aber um die richtige Motorposition für die weiteren Arbeiten sicherzustellen.
    Bei der ganzen Aktion hab ich eines der beiden 8er Gewinde am hinteren Getriebelager zur Sau gemacht :furious:
    Hat das schonmal jemand repariert? Ich würde das jetzt bissl aufbohren und stattdessen ein M10 Gewinde reinschneiden?!


    Naja jedenfalls konnte ich jetzt schön sehen wieviel Platz für die neuen Anbauteile zur Verfügung stehen. Durch den 'Tunnel' zwischen Anlasser, Lenkgetriebe und Antriebswelle muss nachher irgendwie der Krümmer runter in den Mitteltunnel führen ?(

  • Nun hab ich mir die Verhältnisse für den Krümmer mal genauer betrachtet:
    Zwischen Anlasser, Lenkgetriebe und Antriebswelle ist nur ein verhältnismäßig schmaler 'Schlitz' vorhanden.
    Unten muss der Krümmer dann direkt in den Mitteltunnel münden.
    D.h. die 4 Rohre müssen oben relativ parallel nach unten gehen und dann unten vor dem Mitteltunnel in einem 'Kneuel' zusammengeführt werden. Daher hab ich mich für eine 4 in 1 Konstruktion entschieden.
    Ich hab mir erst 4 Flansche für den Zylinderkopf gebaut mit Ausgängen für 38er Rohre.
    Dann hab ich mir bei Powersprint diverse Einzelteile besorgt: 4x90° Bögen Durchmesser 38mm, 2Meter Rohr ebenfalls Durchmesser 38mm, und einen 4 in 1 Sammler.
    Dazu habe ich noch Rohrbögen von diversen zur Verfügung stehenden Hosenrohren verwendet.
    Die Schwierigkeit dabei war, oben am Kopf mit den Rohren gerade heraus zu kommen. Obwohl die Kanäle im Kopf hinten gerade heraus gehen, ist die Flanschfläche schräg gefräst. Der Krümmerflansch muss also so gestaltet werden, dass das am Ende wieder gerade wird. Heißt also Rohre schräg abschneiden.
    Die Flansche hab ich vorher noch an den 'richtigen' Kopf montiert und die Kanäle zu den Flanschen angepasst.
    Nach einigem Gebastel hatten wir es dann doch soweit.
    Als der Krümmer nun fertig im Fahrzeug geheftet war hatten wir zunächst die Befürchtung, dass wir ihn nicht mehr ohne Weiteres heraus bekommen würden. Aber nach dem Ausbau des Anlassers ging es nach unten hin doch ganz gut.
    Jetzt soll er erstmal komplett durchgeschweißt werden. Danach werden noch Anschlüsse für Lambdasonde vorgesehen und der Abgang wird noch reduziert auf 55mm.
    Die Spritleitungen werden nachher natürlich noch bissl weiter weg vom Krümmer verlegt :D

  • Zitat

    Original von kuethejunior
    Dein Arbeitstempo scheint sehr hoch zu sein


    Eigentlich nicht wirklich. Der ganze Umbau zieht sich schon ne ganze Weile hin. Wie gesagt, der Polo ist schon seit Ende September abgemeldet. Und mit dem Motor hab ich schon weit vorher begonnen.
    Aber wie's halt so ist, es kommt immer wieder was dazwischen - Kind, Hochzeit, Haus und nicht zu vergessen die Altagskarren, die auch immer mal was haben.
    Ich wollt halt erst bissl was fertig haben bevor ich das hier vorstelle.


    Aber einen hab ich noch :D