Restaurierung 75er Standard Polo

  • Hallo in die Runde, beim weiteren Aufbau meines ´75er HA Motors ist mir heute aufgefallen, daß der Zylinderkopf, den ich mir vor langer Zeit mal besorgt hatte, 6 Bohrungen mehr hat als der originale. Spätere Kopfdichtungen haben diese Bohrungen auch. Die Köpfe haben die gleiche Teilenummer, aber der originale mit A und der neue mit C. Kann ich den Kopf trotzdem verwenden? Wofür sind diese Bohrungen ? Ich würde ihn gerne verwenden weil er flammneu ist. Somit könnte ich mir das Aufarbeiten und Erneuern der Ventile ersparen.

    Im Voraus herzlichen Dank für Eure Hilfe.

  • Hallo Tom, vielen Dank für die Links. Hochinteressant und viel gelernt, aber da geht es ja mehr um den Unterschied zu den "F" Köpfen. Ich habe aber keine Antwort auf meine Frage gefunden, ob man den "C" anstelle eines "A" auf einen 75er HA Block schrauben kann. Die Ventile sind gleich groß und haben einfache Federn, und auch die Brennräume sind -augenscheinlich- gleich. Der Unterschied besteht offenbar nur in den 6 Bohrungen, die der Block und der "A-Kopf" nicht haben.

    Vielleicht weiß das jemand oder hat das schon mal gemacht. In meinem 77er Rep Leitfaden steht nichts dazu, wahrscheinlich erst in einer späteren Ausgabe. Vielen Dank !

  • Ich geb dir morgen Abend mehr Info dazu und lichte auch betreffende Seite des Reparaturleitfadens ab, den du doch übrigens selbst hast, oder?

    Bin nur gerade nicht dort, wo Literatur und Zylinderköpfe lagern.

    Edit: und check schon mal bitte deine Zylinderkopfschrauben. Noch M10 oder schon M11.

  • Hallo, in meinem RepLeitfaden steht halt leider nichts drin. Die Merkblätter habe ich bis Nr. 70. In beiden finde ich nichts dazu, ich vermute daß der Wechsel zum "C" bzw. zu den Bohrungen später war. Ich weiß nicht wofür die Bohrungen sind, wie Kai richtig sagt kommt das Öl ja eigentlich nur durch den Steigkanal, deshalb müßten die Bohrungen für Wasser sein ?!

    Mein Block hat noch die 10er Schrauben, die ich nach langem Suchen auch noch neu bekommen habe. Da der Kopf ein Neuteil ist hat er in den beiden Ecken die Paßhülsen. Von daher ist also alles grün. Bleibt nur die Frage ob ich diese 6 Bohrungen ignorieren kann oder nicht.

    Ganz lieben Dank an alle !

    MfG Ansgar

  • So, ich bin am Ort des Geschehens, hab Bilder gemacht und bereite nun den Beitrag forengerecht auf. Etwas Geduld bitte;)

    Edit:
    Zunächst zu den sechs zusätzlichen Bohrungen: Diese Änderung wurde nach den Werksferien 1976 eingeführt - unabhängig vom "A"- oder "C"-Zylinderkopf (siehe Bild 1 und 2).
    Funktion: Wasserkanäle - Thermische Entlastung an Brennraum und Ventilen (Bild 3).

    Zu deiner Frage: Natürlich kannst du den "neuen" oder "späteren" Zylinderkopf auf deinen "frühen" Block montieren.
    Voraussetzung dafür ist das Beibehalten der Passhülsen in den Bohrungen für die Zylinderschrauben und die Verwendung der "alten" Zylinderkopfdichtung. Das ist usus und völlig unproblematisch (siehe Bild 4 und 5).

    Alte Zylinderkopfdichtung:

    052 103 383 AA – elring 256.057 – Reinz 61-23645-20


    Neue Zylinderkopfdichtung:

    052 103 383 AB – elring 350.231 – Reinz 61-24215-30

    Die Notiz dazu im Technischen Merkblatt kennst du ja sicherlich, die ist auch in dem von 1977 vorhanden.

  • Super, das nenne ich mal perfekt !! Ganz lieben Dank ! Dann kann ich ja beruhigt weiter machen. Das mit den Dichtungen war klar, das mit dem Kopf halt nicht. Sobald der Kopf drauf ist und etwas mehr zu sehen ist gibt´s hier Bilder. Habe jetzt einen ziemlichen Aufwand getrieben um den originalen Block zu erhalten. Unter anderem ist im dritten Zylinder eine neue Laufbuchse drin. Da es die nicht mehr gibt habe ich eine anfertigen lassen ...

    LG Ansgar

  • Bin ja immer wieder begeistert was hier für ein Fachwissen vorhanden ist!


    Ansgar... Bilder nehmen wir immer gerne! Scheint sehr interessant zu sein, was du dort so "treibst"!


    Gruß Basti

    Dieser Beitrag kann Spuren von Ironie, Sarkasmus und Haselnüssen enthalten.


    :D ... :D ... :D

  • Hallo, sehr gerne natürlich. Vorab ein paar Infos zu meinem Polo. Es ist ein Standard aus 10.75, der seit 1978 in der Familie ist. Sämtliche Belege incl. Kaufvertrag sind seitdem vorhanden. Ich habe ihn bis 1997 im Alltag gefahren, deshalb hat er auch die wie ich annehme höchste Laufleistung die je ein Polo1 hatte: 308.000 km. Mit dem ersten HA Motor. Der Kleine ist von Nordschweden bis Südfrankreich durch halb Europa gekommen, zwischendurch habe ich sogar mal Kundendienst mit ihm gefahren. Ich verbinde unglaublich viele Erinnerungen mit diesem Auto. Deshalb habe ich ihn damals weggestellt mit dem festen Vorsatz ihn irgendwann von Grund auf zu restaurieren. Seitdem sammle ich Teile, denn die Karosserie ist wie Ihr Euch denken könnt völlig fertig. Ich werde diese Herausforderung aber auf jeden Fall angehen. Etwas untypisch habe ich nun mit dem Motor angefangen. Eigentlich wollte ich hier "nur" Übermaßkolben einsetzen, Lager und Dichtungen erneuern und gut. Dann stellte sich aber beim Zerlegen heraus, daß im dritten Zylinder der obere Ring zum Kolbenboden hin durchgebrochen war und Tiefe Riefen in die Zylinderwand gezogen hatte. Leider zu tief und leider genau im Kompressionsbereich. Eigentlich das Aus für den Block. Da ich aber unbedingt den Block erhalten möchte (matching numbers und Geburtsurkunde) habe ich mit meiner Zylinderschleiferei nach Möglichkeiten gesucht. Die einzige, die es in solch einem Fall gibt heißt Laufbuchse einziehen. Diese Laufbuchsen gibt es für gängige Motoren fertig zu kaufen, sodaß eine solche Aktion mit vertretbarem (finanziellem) Aufwand machbar ist. Nicht aber beim HA - nix mehr zu kriegen. Also habe ich eine anfertigen lassen. Die ist jetzt drin, alle Zylinder sind jetzt im 2. Übermaß und es sind neue alte original Nüral Kolben reingekommen. Ansonsten Standardprogramm - alle Lagerschalen neu, Pleuel winkeln etc. pp. Volles Programm halt.


    Bei genauem Hinsehen kann man hier die eingezogene Buchse erkennen.


    Hier der Schaden an Kolben und Zylinder. Der Meister in der Schleiferei sagte mir daß das zu Lebzeiten der Schlepphebelmotoren gar nicht selten gewesen sei.


    Erschrocken bin ich beim Anblick der Ölpumpe. So sieht der Mitnehmer nach gut 300tkm aus:

    Deshalb meine Frage neulich nach der Verwendung der neueren Pumpen-Variante (ist jetzt verbaut).


    Aber nun zum aktuellen Stand:


    Wenn Ihr mögt halte ich Euch weiter auf dem Laufenden. Mein Ziel ist es das Auto absolut original wieder aufzubauen. Soweit das geht ...


    Viele Grüße und bleibt alle gesund, Ansgar.

  • Hallo Ansgar,


    ich finde es klasse welche Akribie und Mühe Du investierst, besonders da es sich um einen HA-Motor handelt. Viele würden umbauen, mir persönlich ist auch der Erhalt des Auslieferungszustands ungleich wichtiger. Mit der Historie des Fahrzeugs die Du über so lange Zeit kennst wird das ein sehr schönes Stück!


    Ich drücke Dir die Daumen dass Du den Kleinen wieder top-restauriert auf die Straße bekommst.


    Gruß,

    Jens

  • Zitat

    Erschrocken bin ich beim Anblick der Ölpumpe. So sieht der Mitnehmer nach gut 300tkm aus:
    Deshalb meine Frage neulich nach der Verwendung der neueren Pumpen-Variante (ist jetzt verbaut).

    Das ist leider die große Schwachstelle der alten Sichelölpumpe. Die Mitnehmer sehen auch schon mit geringerer Laufleistung teilweises so aus.

  • mir persönlich ist auch der Erhalt des Auslieferungszustands ungleich wichtiger.

    Ja, ich werde das so gut es eben geht machen. Zum Glück war ich seinerzeit schon so gescheit und habe die Standard-Teile, die ich damals natürlich gegen "bessere" getauscht habe, auf den Garagenboden gepackt. Das hilft heute weiter. Im Rahmen der Restauration rüste ich nun meine "Jugendsünden" zurück. Es wird auch kein Radio verbaut und keine Antenne. Standard eben ;-)

  • Gerne!

    Na gut, bitteschön. Die Sitze sind auch schon fertig. War auch ein langer Weg. Die sind mit originalem Stoff neu bezogen. Nach diesem Stoff habe ich Jahre gesucht. Den Sattler konnte ich davon überzeugen alle Kunstlederteile weiter zu verwenden. So viel original wie eben möglich ... Die Sitze hatte ich Anfang der 90er schon mal wegen des Zustands durch andere ersetzt, aber damals auch auf den Dachboden gepackt.


    Hier der Vergleich vorher / nachher:


  • Hallo in die Runde,


    ich wurde darum gebeten hier mal Bilder von meiner Karosserie-Sanierung zu zeigen. Außerdem hatte ich das ja damals versprochen ...


    Da ich ab Juli Kurzarbeit hatte offenbarte sich mir ein Zeitfenster, das den Beginn der Karosseriearbeiten zuließ. Wie schon gesagt, die Karosserie ist nach über 300tkm und 22 Jahren Alltag völlig am Ende. Etliche Überzieher aus den 80er / 90er Jahren, darunter heute das Grauen. Dazu hat er die letzten 20 Jahre auch noch schlecht gestanden. Ich denke mal ich lasse jetzt die Bilder sprechen. Nach langem hin und herüberlegen habe ich mich entschlossen mit der rechten A-Säule anzufangen. Erneuert werden muß letztendlich der komplette Unterboden inklusive aller Schweller und Längsträger, beide hinteren Radkästen, beide Seitenteile, Heck und Front. Vorne links war er besonders fies vergammelt, bis hinauf zum Sicherungskasten. Da habe ich ein Stück aus einem 80er Derby eingesetzt - aber wie gesagt, ich lasse jetzt die Bilder sprechen. Begonnen habe ich mit den Schweißarbeiten Ende Juli.