Umbau auf 085er Seilzuggetriebe im 2F

  • Hallo zusammen,


    in den vergangenen Monaten hatte ich hier und auch in anderen Foren eine Fragen zu dem Thema gestellt.

    Einiges konnte geklärt werden, dafür herzlichen Dank an dieser Stelle.


    Es begann im vergangenen Jahr damit, daß ich einige Bleche von Schlachtpolos über Kleinanzeigen erwarb:

    der Mitteltunnel mit 20 cm rund um den Schalthebel und die unteren 30 cm des Motorraumes / Spritzwand,


    Die Suche nach der richtigen Schaltbetätigung zog sich hin: Platz ist in unseren Wägelchen an allen Stellen

    Mangelware. Deswegen fallen 9N und Golf IV Konsole aus. Auch andere Herstelle vielen hinten rüber, weil

    der Rückwärtsgang meist unter dem 5 Gang sitzt und nicht dort, wo wir ihn erwarten.


    Letztlich wurde es die Schaltbetätigung vom Passat 35i / Golf 2 G60 / Lupo / Polo 6N. Mittels Adapterplatte

    konnte ich da eine vernünftige Lösung ohne Blecharbeiten an der Karosserie realisieren. An der Stelle werden

    die Außenabmessungen der Originaleinheit auch nicht überschritten, somit sind keine Änderungen an der

    Abgasanlage (zumindest bis 50mm Durchmesser) notwendig.


    Ich hatte mir dazu einen günstigen und wirklich schrottreifen Polo gekauft, um dort in aller Ruhe die Bauteile

    aufeinander abstimmen / anpassen zu können. Anfangs hatte ich noch inständig gehofft, ohne Blecharbeiten

    an der Karosserie davonzukommen, aber das sollte sich als Trugschluß herausstellen.


    Nach mehreren Versuchen, den Umlenkhebel am Getriebe umzukonstruieren (R-Gang und 1.-2. Gang ließen

    sich nicht einlegen) war klar, entweder Blechabeiten oder Projektschluß an dieser Stelle.


    Der hintere Getriebehalter mußte dahingehend bearbeitet werden, daß das obere Loch für die Schraube

    durch Weiten mit anschließendem Aufschweißen einer Mutter verändert wird. Hierdurch kann der Umlenk-

    hebel dann problemlos montiert werden. Der Dreiecksanlasser-Kathalter mußte versetzt werden, da an

    der Stelle nun die Schalt und Wählhebel sitzen.


    Der Wählhebel mußte oben einfach plangeschliffen werden, der Schalthebel in der Höhe gekürzt und auf der

    Achse durch Umschweißen versetzt werden.


    Der untere Teil der Spritzwand wurde geöffnet und anschließend wieder mit seitlichen Blechen verschlossen


    Als Seilzugkonsole habe ich das Blech 20 cm rund um Gaspedalbegrenzung aus der Schrottkarosserie rausge-

    trennt und mein Schlossermeister hat mir anhand dieses Bleches eine "zweite Haut" gefertigt auf der dann die

    Seilzüge befestigt werden.


    Das wirklich größte Problem waren die Seilzüge an sich: es wollte mit einer Ausnahme niemand die Kürzung der

    6N Bauteile übernehmen, selbst der original Hersteller Küster Automotive lehnte das ab (Ton der GF: Können

    da nicht helfen).


    Inzwischen ist der Umbau vom TÜV abgenommen und in den Papieren hinterlegt.


    Wer mehr wissen möchte, kann mich gerne morgen in Melle ansprechen. Meine Kleine trägt DIN-Kennzeichen

    und LY3D.


    An dieser Stelle herzlichen Dank an meine Helfer, ohne die dieses Projekt defintiv nicht realisierbar gewesen wäre.



    Gruß



    Tobias

  • Das liegt im Auge des Betrachters und ist mit einem Stoßdämpfervergleich auf Augenhöhe: für die Einen zu hart, für die anderen zu weich.


    Ich selbst möchte darauf nicht mehr verzichten, da ich nun überhaupt keine Brum/Dröhngeräusche von der Stange mehr habe.

  • Jetta GLi

    Hat den Titel des Themas von „Umbau auf 085er Sielzuggetriebe im 2F“ zu „Umbau auf 085er Seilzuggetriebe im 2F“ geändert.
  • Hallo Tobias,


    in jedem Fall ein interessanter Umbau.

    Hat die Operation an der Stirnwand Einfluss auf den vorderen Fußraum oder die Form des Teppichs oder sind die Änderungen nur motorraumseitig?

    Was mich bei Seilzugschaltungen,z.B. im Polo 6R stürt, ist das rubbelnde gefühl im Schalthebel, wenn man den schalthebel seitwärts bewegt. Deshalb bevorzuge ich bei Typ86, Golf1, Passat 32B und T4 die herkömmliche Gestängeschaltung. Muss natürlichleichtgängig und spielfrei sein und nicht ausgeleiert.


    Ich glaube, dein Fahrwerksvergleich trifft die verschiedenen Wahrnehmungen ganz gut.


    Gruß

    Christian

  • Hallo Christian,


    die Änderungen betreffen nur den Zwischen-/Hohlraum und haben keine Auswirkungen auf den Innenraum.

    Klar, zum Schweißen müssen brennbaren Elemente wie Teppich und Dämmung/Teerpappen komplett entfernt werden.


    Ich bringe die Bleche, an denen wir das ausprobiert haben nachher mit nach Melle.


    Gruß



    Tobias

  • Hi,

    in Punkto Schaltpräzision geht nix über Stange, Seilzug ist halt mehr für Komfort gedacht, Geräusch- und Vibrationsentkopplung.


    Das Problem an dem Umbau ist, dass das Auto damit (streng genommen) untüvbar geworden ist, weil massiv in die Rahmenstruktur eingegriffen worden ist. Dieses Kastenprofil verbindet die beiden Querlenkeraufnahmen miteinander, und ist deshalb ein essentieller Teil der Karosserie!


    MfG

    Roland

    "Zyniker, der [Subst.], ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten."

  • Uninteressant, wenn das "der richtige" Prüfer sieht, wird der aus dem Verkehr gezogen. Schweißen an tragenden Teilen ist nur vom Hersteller erlaubt :rtfm:

    "Zyniker, der [Subst.], ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten."

  • Uninteressant, wenn das "der richtige" Prüfer sieht, wird der aus dem Verkehr gezogen. Schweißen an tragenden Teilen ist nur vom Hersteller erlaubt :rtfm:

    Ich hatte oben vermerkt, daß der TÜV seinen Segen dazu gegeben hat. Zuvor hatte ich mir das Einverständnis des Prüfers eingeholt.


    Und nun überlegen wir mal jeder für sich, wenn ein Hohlraum geöffnet und durch zwei seitliche Bleche wieder veschlossen wird, welcher

    Zustand stabiler ist: vorher oder nacher. Nebenbei bemerkt, ist mein Schweißer Karosserieblechner bei VW.

  • Was die Zug-bzw. Druckfestigkeit von dem Kasten angeht ist deine Konstruktion ungünstiger.

    Wenn du da den Segen hast, wird das schon passen, aber als Roland das Thema angeschnitten hat, ist mir dann auch bewusst geworden, was die Änderung mechanisch bedeutet. Ließ sich der Kasten an der Stelle nicht zusätzlich gegen Zug/-Druckspannungen verstärken?


    (Der Querträger bildet ja mit den Längsträgern im Motorraum ein C. Wenn Kräfte über die Querlenker kommen, mündet das in Zug/Druck im Kastenprofil.)


    Gruß, Sebastian

  • Ich hatte oben vermerkt, daß der TÜV seinen Segen dazu gegeben hat. Zuvor hatte ich mir das Einverständnis des Prüfers eingeholt.


    Und nun überlegen wir mal jeder für sich, wenn ein Hohlraum geöffnet und durch zwei seitliche Bleche wieder veschlossen wird, welcher

    Zustand stabiler ist: vorher oder nacher. Nebenbei bemerkt, ist mein Schweißer Karosserieblechner bei VW.

    Dein Glück, dass dein Prüfer sich keinen Kopf um das gemacht hat, was er da absegnet... ein anderer wird das vermutlich anders sehen.


    Was stabiler ist? Ganz einfach, das durchgehende "Vierkantrohr", das vorher deine Längsträger miteiander verbunden hat... jetzt ist da im Prinzip nunoch die Spritzwand. ;)


    Mir ist das im Prinzip egal, was du da machst, allerdings sollten andere das nicht blindlings nachmachen, ohne die Folgen zu kennen. Sowas gilt auch für die Änderungen am Rahmen, wenn man z.B. Platz für die Antriebswellen macht. Hab schon das ein oder andere Auto gesehen, das quasi nicht mehr anmeldbar ist, durch solche Geschichten...


    MfG

    Roland (<- gelernter Karosseriebauer)

    "Zyniker, der [Subst.], ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten."

  • Mein Prüfer und auch mein Karosseriebauer haben sich da schon nen Kopf drum gemacht.


    Ich glaube mehr brauche ich dazu jetzt auch nicht zu sagen. Wenn es Leute gibt, die es besser wissen.....

    Wie gesagt, mir vollkommen egal, was du da machst, nicht mein Auto, nicht mein Problem...


    Ich kann nur aus 20+Jahren Erfahrung mit reißenden Polo-Vorderwagen sprechen, ganz besonders beim 2F...

    "Zyniker, der [Subst.], ist ein Schuft, dessen mangelhafte Wahrnehmung Dinge sieht, wie sie sind, statt wie sie sein sollten."

  • Mein Karosseriebauer ist seit über 40 Jahre in dem Bereich tätig.


    Was die reißenden Vorderwagen betrifft: wer harte Fahrwerke in Kombination mit starken Motoren (mehr als 130 Nm)

    verbaut, tut der Karosserie sicherlich keinen Gefallen. Beides hat meine Kleine nicht. Einen Vorderachsrahmen von

    Michael Parzefall habe ich verbaut, zusätzlich werden ich jetzt die Tunnelstrebe montieren.


    Ich habe kein Problem damit, wenn ich auf Fehler hingewiesen werde und Verbesserungsvorschläge bekomme, aber Aussagen

    wie "Dein Glück, dass dein Prüfer sich keinen Kopf um das gemacht hat, was er da absegnet" halte ich persönlich für anmaßend,

    was niemandem weiterhilft, zumal alle Beteiligten dann doch deutlich mehr als 20 Jahre Berufserfahrung haben. Worüber ich mir

    wirkich Sorgen mache, ist wenn die langjährigen Experten dann mal nicht mehr zur Verfügung stehen.

  • Ich hab absolut kein Problem damit, mehr oder weniger direkt, als "Besserwisser" o.ä. betitelt zu werden, ebensowenig wie vermeintliche "Profis" auf Fehler hinzuweisen, bin ich sogar gewohnt. Mir geht es darum, dass das hier nicht jemand nachbaut, und hinterher dumm da steht, weil die Karre deshalb stillgelegt wird.

    In Verbindung mit dem Vorderachsrahmen (von dem bisher keine Rede war) kann man sowas ggf. machen, der Prüfer steht ja sowieso im Zweifel für die Nummer gerade, und im Höchstfall ist die Karosse halt Schrott. Ich persölich würde jedenfalls nicht meine Hand dafür ins Feuer legen, dass das Ganze eine offizielle Prüfung mit Dehnstreifenmessung übersteht. Ist halt meine Meinung, muss weder dir, noch jemand anderem gefallen.


    Für gerissene 2F braucht man übrigens weder harte Fahrwerke, noch drehmomentstarke Motoren, das können die ganz gut von allein... dauert halt länger.

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