Kraftzwerg - Test VW Polo GT mit 75PS aus GUTE FAHRT 12/87

In der Klasse der Kleinen ist der Wolfsburger Polo ein ganz Großer. Dies dokumentieren eindrucksvoll die Verkaufszahlen des kompakten, sparsamen und dennoch komfortablen Autos, das 1986 allein in Deutschland 78275mal zugelassen wurde. Eine Steigerung gegenüber 1985 um 23,6 Prozent. Zum Modelljahr 1988 wurde nun das Angebot in der Polo­Modellreihe neu strukturiert, was dem Käufer neben neuen Ausstattungsdetails und teilweise gesenkten Preisen auch noch eine neue Modell-Variante bescherte. Den sportlichen 1,3-Liter-Motor mit 55 kW/75 PS gab es nämlich bislang ausschließlich im Polo Coupé, für den Allzweck-Polo mit dem markanten Steilheck lag die Obergrenze bei 55 PS. Ebensowenig war bisher die zum starken Motor passende GT-Ausstattung erhältlich, auch sie gab es nur beim Coupé. Sicher, für eine kurze Zeit war der 75-PS-Motor Ende 1983 schon einmal im Steilheck zu haben. Aber eben nur im damals angebotenen Sondermodell SP, das übrigens auch heute noch aufgrund seiner pfiffigen Ausstattung als Gebrauchtfahrzeug sehr begehrt ist.
Doch vorbei ist die Zeit, in der es keinen Polo-Steilheck im Sport-Look gab, dem erkennbaren Trend zum sportlichen Auto in der kleinen Klasse trägt VW mit dem Polo GT Rechnung, der zukünftig fest im Programm bleiben wird. Sowohl von der Motorisierung als auch von der Ausstattung her haben wir es hier mit dem Spitzenangebot im Steilheck-Polo-Programm zu tun, wenngleich der starke Motor im neuen Modelljahr nun auch in der CL­Ausstattung erhältlich ist. Übrigens auch beim Coupé, lediglich die Stufenheck-Version gibt es weder als GT noch mit dem 75-PS-Triebwerk. Doch hier wird auch eine andere Käuferschicht angesprochen.
Ein alter Bekannter ist der drehfreudige 1,3-Liter-Motor, der ja schon seit Ende 1982 im Polo-Coupe zu haben ist. Völlig unverändert wurde er nun in den Steilheck-Polo übernommen, was gleich vorneweg seine Abstammung aus der katalysatorlosen Zeit offenbart. Mit 11,0:1 verdichtet, verlangt die Maschine Superkraftstoff der verbleiten Sorte, Bleifrei ist, auch ausnahmsweise, nicht verwendbar. Zudem ist der starke 1,3-Liter nach wie vor nicht mit den wartungsfreien Hydrostößeln zur Ventilsteuerung ausgerüstet. Schlepphebel verrichten hier ihren Dienst.

Ein alter Bekannter - Der 1,3-Liter-Motor mit 75 PS ohne Katalysator

Somit ist auch klar, daß einem der Fahrspaß, den der 75-PS-Motor zweifellos auch im Steilheck-Polo bietet, den völligen Verzicht auf Schadstoffarmut wert sein muß. Ein Katalysator ist nicht erhältlich und kann auch nicht nachgerüstet werden. Doch die Stärken des agilen Maschinchens liegen auf einer anderen Ebene.
Womit Drehzahl gemeint ist und noch­mals Drehzahl. Kein Kat im Auspuff hemmt hier den Abfluß der Abgase, willig dreht der 75-PS-Motor hoch bis in die Drehzahlbegrenzung. Und gerade im oberen Drehzahlbereich fühlt er sich dann auch am wohlsten. Hier geht es mit dem kleinen und wendigen Polo flott voran.
Die Kehrseite der Medaille freilich ist der deutlich spürbare Kräftemangel im unteren Drehzahlbereich. Alles was unter 3500/min liegt, scheint dem kleinen Vierzylinder nicht allzu sehr zu gefallen. Hier tut er sich schwer und verlangt förmlich danach, mit dem exakt schaltbaren Serien-Fünfganggetriebe eine Zahnradpaarung tiefer zu gehen. Kurz abgestuft, macht die Schalterei dabei Spaß, in jeder Situation ist der passende Gang vorhanden.
Im Bereich der Höchstgeschwindigkeit kommt allerdings eine recht kräftige Geräuschentwicklung in den Fahrgastraum durch, ein Tribut an die sportlich kurze Getriebeabstufung. Ohnehin ist die GT-Maschine nicht gerade ein Ausbund an Laufruhe, kernig und ziemlich rauh ist der Motorlauf. Aber dies war bislang im Polo Coupé auch schon der Fall und dennoch fand und findet der kräftige Polo-Motor seine überzeugten Anhänger.
Somit läßt sich eindeutig feststellen, daß ein 75-PS-Polo auch in der praktischen Steilheck-Version nicht gerade das ideale Zweitfahrzeug für den überwiegenden Stadtbetrieb darstellt. Niedere Drehzahlen sind nicht sein Geschmack, Stop-and-go-Verkehr mit wenig Gas führt zumeist zu einem etwas ruckeligen Fahrverhalten. Hier fährt sich ein normaler 45-PS-Polo weit angenehmer. Aber schließlich verhält es sich bei einem Vollblut­Rennpferd auch nicht anders, wenn man es dazu zwingt, im Schritt zu gehen. Kurvenreiche Landstraßen sind das Metier des Sport-Polo, hier gibt sich der Kraftzwerg wieselflink.
Selbst ein Normal-Golf GTI mit 112 PS bietet da nicht viel mehr, ist allerdings im Einstiegspreis wesentlich teurer. Die Fahrleistungswerte, die sich mit dem neuen Polo GT erreichen lassen, unterscheiden sich nur wenig von denen des bekannten 75-PS-Polo­Coupe. Mit einer Zeit von 11,3 Sekunden für den Spurt auf 100 lagen wir gar um eine halbe Sekunde unter dem Wert eines früher getesteten Coupés (11,8 s), die Höchstgeschwindigkeiten bewegen sich mit 169 km/h für das Steilheck sowie 170 km/h für das Coupé gleichauf. Wobei die gegen Mehrpreis montierte Dachreling sogar noch etwas Höchstgeschwindigkeit beim Steilheck gekostet haben dürfte.
Daß ein derart auf Drehzahl ausgelegter Motor keine Spitzenwerte in der Elastizität bringen kann, ist einleuchtend. So sind die 14,6 Sekunden von 60 bis 100 km/h im fünften Gang auch nicht allzu berauschend. Hier muß sich die 75-PS-Maschine gar dem neuen 55-PS-Motor mit der ausgezeichneten Digijet-Einspritzanlage geschlagen geben, die diese Disziplin in 13,4 Sekunden hinter sich brachte (siehe Test GUTE FAHRT 11/87). Beim direkten Vergleich dieser beiden Motoren wird ohnehin mehr als deutlich, daß das neue Motorenkonzept eben fünf Jahre jünger ist, was sich in spontanem Antritt genauso widerspiegelt wie in der Laufruhe.
Der Kraftstoffverbrauch wird von der Steilheck-Karosserie wenig beeinflußt. Unterschiede zwischen Coupé und Steilheck liegen da schon eher beim Fahrer oder bei der Witterung. Doch ein Testverbrauch von 8,7 Liter Super auf 100 km ist bei forciertem Fahrbetrieb angemessen, hier kann der Motor immer noch mit neueren Konstruktionen mithalten.

Schicke Leichtmetallfelgen - In der sportlichen GT-Ausstattung serienmäßig

Wie auch beim Polo Coupé wurde im 75-PS-Steilheck das Fahrwerk der höheren Leistung angepaßt. Der zusätzlich an der Hinterachse montierte Stabilisator sorgt unter allen Umständen für ein ausgeglichenes Fahrverhalten, auch Anfänger werden vor keine Probleme gestellt. Der Federungskomfort ist dem kräftigen Motor angemessen, wenngleich auch harte Stöße kräftig an die Insassen weitergegeben werden. Eine zwar stramme, aber keineswegs harte Auslegung. Aufgrund der Serienbereifung von 155/70 SR 13 auf 41/2Jx13-Felgen ist der Komfort gar etwas besser als beim Coupé, das ab Werk mit der breiteren Dimension 165/65 SR 13 auf 5 1/2J x 13-Felgen ausgerüstet ist. In beiden Fällen gibt es beim GT neuerdings ab Werk Leichtmetallfelgen ohne Aufpreis. Selbst die CL-Versionen werden damit ausgerüstet, vorausgesetzt, man nimmt den 75-PS-Motor. Ein Ausstattungsdetail, das bislang bei keinem anderen VW-Modell serienmäßig zu haben ist. Selbst Golf-16V-Käufer müssen Leichtmetallfelgen extra bezahlen. Die bisher im Polo Coupé gelieferte Ausstattung wurde laut VW "nach Erkenntnissen des Marktes modifiziert", wodurch die Preise gesenkt werden konnten. Ein sicher löblicher Schritt, denn nicht jeder will beispielsweise Sportsitze, die es nun im Modelljahr 88 nur noch gegen 557 Mark Aufpreis gibt. In unserem Testwagen waren sie dennoch montiert. und wir möchten sie nach wie vor wärmstens empfehlen. Man sitzt ganz ausgezeichnet und hat auch bei flotter Fahrweise einen guten Seitenhalt.Weniger gefallen hat uns allerdings der Glencheck-Stoffsitzbezug, die im früheren SP-Sondermodell erhältlichen Bezüge mit frechen breiten Streifen waren da für ein sportliches kleines Auto pfiffiger.

Sehr zu empfehlen - Die gegen Aufpreis erhältlichen Sportsitze

Als weitere Ausstattungsdetails sind in der GT-Ausstattung das gut in der Hand liegende Dreispeichen-Sportlenkrad, eine Mittelkonsole, der Instrumenteneinsatz mit Drehzahlmesser und Digitaluhr, ein von innen einstellbarer Außenspiegel auf der Fahrerseite und der Zigarettenanzünder serienmäßig. Hinzu kommt der Doppelscheinwerfergrill mit zusätzlichen Fernscheinwerfern und der schwarze Dachhimmel, zwei Details, die sonst auch nicht gegen Aufpreis erhältlich sind. Allenfalls der Scheinwerfergrill läßt sich in die anderen Polo-Modelle nachrüsten, Votex vertreibt ihn über die V.A.G Händler. Ausschließlich gegen Mehrpreis lieferbar sind auch beim GT Türablagekästen, die 53 Mark extra kosten. Der Grundpreis für den neuen Polo GT mit 75 PS beträgt 17310 Mark und ist damit das Spitzenangebot in der Polo-Steilheck-Palette. Etwas günstiger fährt man, wenn der CL-Polo mit dem starken Motor in die Kauf-Überlegungen einbezogen wird. 16385 Mark ist hier der Preis, also ein knapper Tausender unter dem GT. Dafür lassen sich dann je nach Wunsch auch noch spezielle Ausstattungen wählen. Wir würden zu den bereits erwähnten Sportsitzen, dem Drehzahlmesser-Instrumenteneinsatz, dem Sportlenkrad und von innen verstellbaren Außenspiegeln raten, was zusammen 1176 Mark kostet. Also mit dem Grundpreis des CL ungefähr soviel, wie der Einstandspreis des GT. Dieser bietet allerdings den Vorteil, eine sportliche Komplettausstattung zu bieten, wie sie in dieser Form sonst nicht zu haben ist- letzten Endes ist das eine persönliche Entscheidung. Die Unterhaltskosten für einen 75-PS-Polo sind günstig. Die Haftpflicht ist mit 1040 Mark erträglich, das Finanzamt bittet mit 281 Mark zur Kasse. Kommen Benzinkosten hinzu, die auch noch akzeptabel sind. Ausgereift sind Auto und Motor zudem, typische Probleme traten nicht auf. Ein Fahrzeug also, das mit seinen sportlichen Eigenschaften nachhaltigen Fahrspaß vermitteln kann, wenngleich man eigentlich eingestehen muß, daß ein Auto ohne Katalysator, das zudem nur verbleiten Superkraftstoff verträgt, nicht mehr so recht zeitgemäß ist. Deshalb unser Wunsch an VW: Einen Motor mit der gleichen Leistung, aufgebaut nach Art des 55-PS-Triebwerks mit Digijet-Einspritzung und geregeltem Kat. So gerüstet würde zum Spaß mit dem kleinen Wolfsburger Kraftprotz auch noch die weitgehende Schadstoffminderung kommen, was die Anzahl der Käufer nur noch erhöhen dürfte.


Bernd Weiser


POLO STEILHECK GT MIT 55kW/75 PS

Daten und Meßwerte
Motor Fahrleistungen (GF-Messwerte)
Vierzylinder-Reihenmotor, wassergekühlt, vorn quer eingebaut, Fallstromregistervergaser mit Startautomatic, Schlepphebel, elektronische Kennfeldzündung (Dignition)Tachoanz. 100eff. 90km/h
Höchstgeschw.169 km/h
Beschleunigung
0-60 km/h
4,9 s
0-80 km/h7,6 s
0-100 km/h11,3 s
Hubraum1272 cm³0-120kn/h16,8 s
Bohrung / Hub75/72 mm0-140 km/h25,1 s
Verdichtung11,080-120 km/h9,4 s
Leistung55kW (75 PS)
bei 5800/min
Elastizität
60-80 km/h
5.Gang
7,0 s
Drehmoment104Nm
bei 3600/min
60-100 km/h14,6 s
Kraftübertragung60-120 km/h

23,1 s

Fünfgang-SchaltgetriebeVerbrauch
1.Gang3,46Bei 90 km/h5,3 l/100 km
2.Gang2,09Bei 120 km/h7,1 l/100 km
3.Gang1,47Stadtzyklus8,0 l/100 km
4.Gang1,12Testverbrauch8,7 l/100 km
5.Gang0,89Minimum7,6 l/100 km
Rückwärtsgang3,38Maximum9,8 l/100 km
Achsübersetzung4,06Tankinhalt42l
FahrwerkKraftstoffart

Super verbleit

Vorn Federbeine, Einfachquerlenker mit StabilisatorJahreskosten
Steuer281 DM
Hinten Koppellenkerachse mit StabilisatorHaftpflicht (unbegr.)1040 DM
Scheibenbremse vorn, Trommelbremsen hinten, BremskraftreglerTeilkasko(SB300)80 DM
Vollkasko(SB650)1379 DM
Räder155/70SR13
auf 41/2 Jx13

(VVD-Tarif: Stuttgart 100%)

Maße und GewichtePreise
L/B/H3655/158/1355mmGrundpreis17 645 DM
Radstand2335mmDachreling279 DM
Spur v/h1306/1332mmGrüne Wärme- schutzverglasung408 DM
Leergewicht775kgTürablagekästen55 DM
Gesamtgewicht1170kgGeteilte Rücksitzb.395 DM
Anhängelast gebr.650kgSportsitze vorn568 DM
Dreipunkt-Gurte h.

146 DM