Modellgeschichte (1975-1981)

Die Geschichte des kleinen Volkswagen beginnt mit dem Audi 50. Der kleine Audi, vorgestellt im Herbst 1974, verfügt über eine für die damalige Zeit modernes Fahrzeugkonzept. Ein quer eingebauter Motor vorn, ein durch eine umklappbare Rückbank sehr variabler Kofferraum und ein Schrägheck mit großer Heckklappe zeichnen das neue Modell aus.

Im Gegensatz zum größeren VW Golf verfügt der Audi 50 über eine wesentlich einfachere Vorderachse, die aus Querlenkern und einem Stabilisator zur Längsführung besteht. Der Audi 50 wird ausschließlich als Dreitürer produziert.

Motorisiert ist der kleine Audi entweder mit einem 50 PS 1,1 Liter Motor (Motorkennbuchstabe HB), der weitestgehend aus dem Golf und Scirocco bekannt ist, sowie einer neuen 60 PS Variante.

Der Polo wird der Öffentlichkeit ein gutes halbes Jahr später im März 1975 vorgestellt. Ganz offensichtlich ist der Polo ei
ne Billig-Variante des bis dahin erfolgreichen Audi 50, dessen Karosserieform er unverändert übernimmt. Die Basis-Ausstattung verfügt nicht mal über eine von außen abschließbare Beifahrertür. Im Gegensatz zum Audi 50 verfügt der Polo über keinerlei Chrom-Zierrat an den Scheiben, Kühlergrill und der Gürtellinie. Eine herausnehmbare Rückbank ersetzt die umlegbare und anstelle eines Teppichs gibt es im Innenraum lediglich eine Gummimatte. Eine nicht vorhandene Tankanzeige (eine Warnleuchte warnt bei Reserve), Scheibenwischer ohne automatische Rückstellung und ein einstufiges Heizungsgebläse runden die spärliche Ausstattung des ersten Polos ab. Historisch ist der spartanische VW Polo als Nachfolger des legendären Spar-Käfers zu verstehen.

Für 500,- DM Aufpreis (die Basis kostet 7500,- DM) bekommt man ab August einen Polo L, der etwas besser ausgestattet ist (zu erkennen an verchromten Stoßstangen und die vom Audi 50 bekannten Zierleisten). Die Motoren des Audi 50 bekommt der Polo-Käufer allerdings auch gegen Aufpreis nicht; lediglich ein kleiner 900 cm³ großer Vierzylinder-Motor mit 40 PS wird im
Polo angeboten. Acht Farben bietet VW zur Einführung des Polos an: rallyegelb, marinogelb, phoenixrot, senegalrot, ozeanicblau, lofotengrün, cliffgrün und atlasweiß. Es fällt auf, dass keine Metallic-Lackierungen vorgesehen sind.

Die ersten selbsttragenden VWs hatten massive Rostprobleme. Ab März 1976 werden deshalb besonders kritische Hohlräume ab Werk hohlraumversiegelt.

Ab August wird die strikte Trennung zwischen Audi 50 und VW Polo aufgeweicht. Ab sofort kann auch der Polo mit den größeren Maschinen, bisher für den Audi 50 vorbehalten, geordert werden (Zu erkennen am einem "S" hinter der Ausstattungsbezeichnung). Außerdem kann auch in Verbindung mit den großen Motoren die GL-Ausstattung (u.a. Temperaturanzeige, umschäumtes Lenkrad, Radkappen), für den Polo geordert werden. Gleichzeitig wird die Grundausstattung aufgewertet. Unter anderem ist jetzt die Beifahrertür abschließbar.

Ab 50 PS verfügt der Polo über einen Bremskraftverstärker, die 60 PS Variante sogar einen Bremskraftregler und eine Hinterachse mit Stabilisator (später entfällt mit der Einführung eines geänderten Hinterachsträgers der Stabilisator).

Zu erkennen sind die Polos Modelljahr 1977 (das Modelljahr beginnt bei Volkswagen immer nach den Werksferien im Sommer) an der nicht mehr eckigen, sondern abgerundeten Dachkante und den
geänderten Schriftzügen an der Heckklappe (Volkswagen links, Polo rechts).

Ganz im Stil der 70er und der Jeans-Generation wird das gut ausgestattete Sondermodell "Jeans" angeboten. Am deutlichsten ist der Polo Jeans an den Jeansbezügen im Innenraum zu erkennen. Die Volkswagen Sondermodelle wurden in der Regel limitiert hergestellt. 1978 produziert Volkswagen eine zweite Serie des erfolgreichen Polo Jeans.

Im Januar 1977 erscheint der Derby als Stufenheck-Variante des Polo. Ausstattung und Motorisierung sind identisch mit dem Polo. Einstiegsmodell ist der Derby in seiner Grundausstattung mit 40 PS. Als Topmodell gilt der Derby GLS mit einem neuen 60 PS Triebwerk. Der 60 PS 1,1 Liter Motor wird auch beim Polo durch einen komplett neuen 1,3 Liter Motor ersetzt, der jetzt wie die kleineren Motoren mit Normalbenzin gefahren werden kann. Der Derby wird im Gegensatz zum Polo mit robusteren herumgezogenen Stoßstangen versehen, die bei der L und GL Ausstattung mit einer dicken Gummile
iste versehen sind. Die Verwendung dieser Stoßstangen überrascht, da sie von Design und Bauart den frühen Passat, Audi 80 und Audi 100 Stoßstangen entsprechen. Mit der Einführung von Golf und Polo bekamen eigentlich alle Modelle eine neue Generation Stoßfänger mit Kunststoffkappen an den Kanten.

Das bewusst klassisch gehaltene Design begeistert zum großen Teil ältere Käuferschichten, die einen kleinen wirtschaftlichen Wagen suchen und dabei trotzdem nicht auf die Limousinenform verzichten wollen. Die Fachpresse ordnete den Derby der unteren Mittelklasse zu. Demnach galt er als Konkurrenz zum Opel Kadett, Fiat 131 oder Ford Escort, denen er wegen seiner moderneren Motoren, dem Antriebskonzept und der Kofferraumform und -größe überlegen war.

Ab August wird der 50 PS Motor mit einem geänderten Vergaser ausgestattet. Die Startautomatik muss wie beim 40 PS Motor einem Choke weichen. Zu erkennen sind Polo und Derby Modelljahr 1978 an den Steinschlagschutzecken an den hinteren Radläufen.




1978 wird der Audi 50 aus dem Programm gestrichen. Der Polo übernimmt jetzt den kompletten Kleinwagen-Sektor von Volkswagen, da auch der Käfer in Deutschland nicht mehr hergestellt wird. Übrigens steht bei allen Audi 50 im Fahrzeugschein als Hersteller das Volkswagen-Werk.

Ab Herbst 1978 wird die luxuriöse GL Ausstattung auch in Verbindung mit dem 40 PS Motor angeboten. Interessant ist, dass erst ab jetzt das VW-typische Bordbuch eingeführt wird; es besteht aus der
Betriebsanleitung und den Serviceunterlagen. Außerdem haben alle Polo und Derby jetzt selbstnachstellende Trommelbremsen an der Hinterachse sowie ab November verstärkte Achsgelenke. Neue Sitzbezüge und Muster kennzeichnen den Innenraum des folgenden Modelljahrs.

Im Oktober erscheint ein erstes Derby Sondermodell: der Derby, LX u.a. mit Nebelscheinwerfern und -schlussleuchte.



Das Jahr 1979 beginnt mit dem optisch größten Einschnitt in der Geschichte des Polo der ersten Generation. Die Stoßstangen bestehen jetzt aus weit herumgezogenen mit Kunststoff ummantelten kastenförmigen Stahlträgern und machen Polo und Derby knapp acht Zentimeter länger. Außerdem besitzen Polo und Derby jetzt einen großen aufgesetzten Kühlergrill, der in Kombination mit dem neuen Stoßfänger den Luftwiderstandsbeiwert auf 0,42 verbessert. Der Derby ist jetzt von vorn an eckigen Scheinwerfern zu erkennen. Weiterhin sind die preisgünstigen Ausstattungsvarianten an fehlenden schlanken Chromstreifen an den Stoßfängern und Kühlergrill zu erkennen. Auch im Innenraum hat sich einiges getan. Ein völlig neu gestaltetes Cockpit im Design des größeren Passat mit Gebläseaustrittsdüsen jeweils links und rechts an den Seiten sowie ein mittig platziertes Radio lassen den Polo auch innen erwachsener wirken. Das Cockpit verfügt nun über Leuchtdioden (bis auf Fernlicht) statt Glühlampen als Kontrollleuchten. Außerdem entfällt die Fußpumpe für die Scheibenwaschanlage und wird durch eine elektrische ersetzt. Die Hupe ist nun wie bei den größeren VW Modellen in der Lenkradmitte platziert. Die Heizung wird nicht mehr über Drehregler betätigt, sondern auch hier VW-typisch über Schieberegler. Kleines aber feines Detail: der Derby hat nicht nur den größeren Kofferraum, sondern ab sofort auch ein größeres Handschuhfach. Dafür hat der Polo eine große in das Armaturenbrett integrierte Ablage auf der Beifahrerseite. Ein Polo kostet 1979 8.970,- DM, für den teuersten Derby müssen 11.205,- DM ausgegeben werden.

Ab März 1979 gehören Beckengurte an der Rücksitzbank zur Serienausstattung aller Polo und Derby. Im Laufe des Jahres finden noch diverse technische Verbesserungen statt, wie z.B. eine geänderte Auspuffanlage (die Ansaugluft wird nicht mehr über das Kühlwasser, sondern über die Abgase erwärmt), geänderte Vergaser und andere Federn und Radlagergehäuse vorn.

Zur IAA 1979 präsentiert VW das Sondermodell Polo GT. Serienmäßig mit Frontspoiler, zweifarbigen Felgen mit 155/70 SR13 Bereifung, Drehzahlmesser, speziellen Sitzbezügen und auffälligen Dekorstreifen. Der Polo ist erst zur Jahreswende lieferbar und kann nur in der 60 PS Variante geordert werden.



Anfang des Jahres 1980 werden alle Polo und Derby mit größeren Lichtmaschinen (45A statt bisher 35A bei den kleinen und 65A statt 45A bei den großen Motoren) versehen. Ab August bekommen Polo und Derby die Armatur des 80er Golf 1 mit gelber Diode zur Fernlichtkontrolle und Digitaluhr bei Drehzahlmesser. Außerdem ersetzen die ebenfalls schon aus dem Golf 1 bekannten schlankeren Kopfstützen die klassischen 70er Jahre Kopfstützen. Gleichzeitig werden die Sitzlehnen schmaler und ermöglichen so mehr Beinfreiheit im Font. Um den in die Jahre gekommenen Derby noch einmal attraktiver zu machen, erscheint ein weiteres Sondermodell: der Derby CL bzw. CLS, erkennbar an einer charakteristischen farblichen Absetzung der C-Säule. Interessant ist, dass dieses Sondermodell das einzige ist, bei dem die Motorvariante in der Bezeichnung zu erkennen ist (S für die großen Maschinen).



Durch die große Unsicherheit in den ölfördernden Ländern im nahen Osten durch den ausbrechenden Krieg zwischen dem Iran und Irak kam es 1979/1980 zur zweiten Ölkrise. Die Rohölpreise schossen in die Höhe. Volkswagen reagierte schnell und bot ab Januar 1981 sparsame sogenannte „Formel E“ Varianten des Golf, Passat und natürlich Polo und Derby an. Eine höher verdichtete HB-Maschine (50 PS) in Verbindung mit einem 3+E Getriebe (E=Economy, also länger übersetzt als ein gewöhnlicher vierter Gang) ermöglichte eine Kraftstoffersparnis von bis zu 26%. Anfangs war das Formel E Paket, zu dem auch eine mechanische Verbrauchsanzeige gehörte, nur in Verbindung mit der L-Ausstattung lieferbar, ab Mai auch mit der Grund-Ausstattung.

Übrigens hat es VW geschafft, durch die sparsamen Modelle trotz Absatzkrise in den USA und immer wichtiger werdender japanischer Konkurrenz seinen Marktanteil zu halten.

Zum Abschluss der Typ86-Ära gibt es im Sommer noch ein letztes Polo Sondermodell, den Polo LX, der üppig ausgestattet mit allen Motorvarianten lieferbar ist.

Im September wird dann letztendlich der Nachfolger vorgestellt: der größere Polo, mit richtungsweisendem „Steilheck“ sowie dem insgesamt größeren Derby, der allerdings erst ab Anfang 1982 ausgeliefert wird.



(C) Moritz (DerbyLS)

    Kommentare 1

    • Hallo Polo Freunde.

      Bin neu hier.

      Besitze einen POLO S EZ 18.08.81 . Vlt kann mir jemand Infos geben.

      Zur Geschichte. Der POLO wurde als Sonnenschein - Polo von der Fa.Fleischhauer in Bonn verkauft. Farbe Daphne Grün von Porsche.

      Doppelscheinwerfer , Breitreifen , Felgen in Wagenfarbe lackiert , Glashubdach , Front und Heckspoiler , Rechter Außenspiegel , Sicherheitsgurte auch hinten und eine Mittelkonsole in Wagenfarbe mit Zigarettenanzünder und Öltemperatur Anzeige.

      Die Frage ist nun , ob vlt jemand weis , ob es noch mehr von diesem Polo Sonnenschein gibt , oder wieviele gab es?

      lg Udo